Stimmungsschwankungen bezeichnen übermäßig starke und häufige Stimmungsschwankungen im Alltag, die das normale Maß deutlich überschreiten und das Leben, das Studium, zwischenmenschliche Beziehungen oder die psychische und physische Gesundheit beeinträchtigen. Diese Probleme sind nicht einfach nur “emotional” oder “schlecht gelaunt”, sondern vielmehr psychische Belastungen, die eng mit den emotionalen Regulationsmechanismen des Gehirns, psychologischen Abwehrmechanismen und sogar frühen Bindungserfahrungen und Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen. Es handelt sich nicht um eine vorübergehende emotionale Instabilität, sondern um ein langfristiges, anhaltendes Problem.
Wir alle erleben im Alltag Stimmungsschwankungen – ein normales psychologisches Phänomen. Beispielsweise freuen wir uns über gute Nachrichten und sind frustriert bei Rückschlägen; diese emotionalen Reaktionen sind natürliche Antworten gesunder Menschen auf ihre Umwelt. Der entscheidende Unterschied bei Stimmungsschwankungen liegt jedoch darin, dass diese Schwankungen intensiv, häufig und schwer zu regulieren sind und oft zu “Überreaktionen” führen, die nicht den tatsächlichen Ereignissen entsprechen.
So kann es beispielsweise vorkommen, dass jemand innerhalb kürzester Zeit von extremer Begeisterung in tiefe Depressionen umschlägt oder wegen einer Kleinigkeit einen emotionalen Zusammenbruch erleidet, manchmal begleitet von Wutausbrüchen, impulsivem Verhalten, Selbstabwertung oder zwischenmenschlichen Konflikten. Noch wichtiger ist, dass solche Schwankungen der betroffenen Person oft das Gefühl geben, die Kontrolle verloren zu haben, während sie gleichzeitig ihr Umfeld verwirrt und erschöpft zurücklassen.
In der klinischen Psychologie und Psychiatrie stellen Stimmungsschwankungen oft keine eigenständige Diagnose dar, sondern treten im Rahmen verschiedener psychischer Störungen auf. Zu den typischsten Beispielen gehören:

E-1. Was ist eine bipolare Störung?
Die bipolare Störung, auch bekannt als psychische Erkrankung, ist durch starke Stimmungsschwankungen zwischen Manie und Depression gekennzeichnet. Symptome der manischen Phase sind unter anderem übermäßige Erregung, gesteigerte Energie, übersteigertes Selbstvertrauen und impulsives Verhalten; die depressive Phase hingegen ist durch Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und tiefe Hoffnungslosigkeit charakterisiert. Diese Schwankungen verlaufen zyklisch und können sich über Tage, Wochen oder Monate wiederholen.

E-2. Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung??
Zu den Kernmerkmalen gehört extreme emotionale Instabilität und intensive zwischenmenschliche Konflikte. Betroffene fühlen sich oft verlassen oder reagieren auf geringfügige Reize mit starker Wut, häufig begleitet von Gefühlen der Leere, Selbstverletzungsimpulsen und dramatischen Schwankungen in zwischenmenschlichen Beziehungen.

E-3. Was ist eine disruptive Stimmungsstörung??
Es handelt sich um eine Störung, die ausschließlich bei Kindern und Jugendlichen auftritt und durch chronische Reizbarkeit und häufige Wutausbrüche gekennzeichnet ist. Ihre Symptome gehen weit über die Intensität und Häufigkeit der für Kinder typischen emotionalen Reaktionen hinaus und lassen sich oft nur schwer mit pädagogischen Methoden bewältigen.

E-4. Was ist eine Emotionsregulationsstörung??
Ähnlich der leichten bipolaren Störung ist sie durch abwechselnde Phasen leicht gehobener und depressiver Stimmung gekennzeichnet. Obwohl sie die Diagnosekriterien für Manie oder schwere Depression nicht erfüllt, beeinträchtigt sie dennoch die Funktionsfähigkeit des Betroffenen erheblich.
Darüber hinaus erfüllen manche Stimmungsschwankungen keine spezifischen Diagnosekriterien, sind aber in subklinischen Gesundheitszuständen weit verbreitet. Beispielsweise reagieren manche Menschen stark auf ihre Umwelt und befinden sich über längere Zeit in einem Zustand der Verletzlichkeit; andere zeigen aufgrund von Unsicherheiten bezüglich ihres Selbstbildes starke emotionale Reaktionen auf kleinere Rückschläge; und manche Jugendliche erleben während der Pubertät aufgrund hormoneller Veränderungen und der Entwicklung ihrer psychischen Identität häufig drastische Stimmungsschwankungen, die ebenfalls von klinischen Störungen abgegrenzt werden müssen.



